Entwicklung der Mediation
Die Mediation ist ein außergerichtliches Verfahren der Konfliktbearbeitung, welches die Möglichkeit bietet, dass die am Konflikt Beteiligten mit Unterstützung eines oder mehreren neutralen Dritten (Mediator/in) freiwillig und selbstbestimmt eine Konfliktlösung erarbeiten.
Ziel einer Mediation ist es, unter Wahrung jedweder Interessen und Bedürfnisse auf dem Verhandlungsweg akzeptable und durchführbare Lösungen zu erreichen.
Mediation hat eine lange geschichtliche Tradition und ist in unterschiedlichen Kulturen und sozialen Zusammenhängen zu finden. In der Antike waren Vermittler Personen, deren kraft ihrer Stellung, ihres Ansehens und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung die Aufgabe zukam, den Rechtsfrieden wiederherzustellen.
Der Begriff Mediation hat sowohl lateinischen (medius) als auch griechischen (medos) Ursprung und bedeutet: vermittelnd, die Mitte haltend, neutral, keiner Partei zugewandt.
Die Praxis der Mediation besitzt in den USA bereits eine Geschichte von über hundert Jahren. 1898 genehmigte der Kongreß die Mediation in Arbeitskonflikten. Erste Erfahrungen mit Mediation bei Trennung und Scheidung begannen im gerichtsöffentlichen Bereich 1973 in Los Angeles County. In den Vermittlungsverfahren wurden ca. 55 bis 85 % der Konflikte durch eine gemeinsame Vereinbarung gelöst, ohne die Notwendigkeit eines weiteren streitigen Verfahrens. Eine breite Übernahme von Mediation in das US-amerikanische Rechtssystem hat schließlich auch die Wirtschaft bewogen, Mediation in Wirtschaftskonflikten einzusetzen. Mediation in Deutschland entwickelte sich aus den gleichen Überlegungen und Erfahrungen heraus, wie dies in den USA der Fall war. Seit Ende der siebziger Jahre nimmt mittlerweile auch im deutschen Rechtsraum die Mediation einen immer größeren Stellenwert ein.
Nachdem die Wirtschaftsmediation in den USA bereits seit ca. 1980 in der Wirtschaft erfolgreich eingesetzt wird, ist seit 1998 die Infrastruktur für Wirtschaftsmediation aufgebaut worden. So ist beispielsweise ein massiver Konflikt zwischen General Motors und dem VW-Konzern, die sogenannte „Lopez-Affäre“ erfolgreich mediativ gelöst worden.
Allein im Jahr 2000 wurden Mediationen mit einem Wert von über 600 Millionen DM erfolgreich abgeschlossen. (Zum Vergleich: Der Wert aller Schiedsgerichtsverfahren des Deutschen Instituts für das Schiedsgerichtswesen 1999 betrug 130 Millionen DM.)
Diese Entwicklung ist nicht überraschend, da viele Unternehmer mittlerweile wissen, wie schnell eine vormals sachliche Diskussion mit Lieferanten, Kunden oder Mitarbeiter zur emotionalen Auseinandersetzungen werden kann, bei der sich die Positionen verhärten und beim folgenden Gerichtsstreit die Parteien die Kontrolle über das Verfahren verlieren. Die Anrufung des Gerichts führt trotz seines erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwandes oftmals für beide Parteien nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Insbesondere unternehmerische oder persönliche Belange, die zumeist hinter den Konflikten stehen, bleiben für die gerichtliche Entscheidung – sei es Urteil, Beschluß oder gar Vergleich – oftmals ohne Bedeutung.
Die soeben beschriebene Situation lässt sich eindrucksvoll verdeutlichen am sogenannten Kürbisfall:
Zwei Parteien streiten sich um einen Kürbis. Der Richter schließt den Vergleich, dass jede Partei die Hälfte des Kürbis erhält. – Ergebnis: Beide Parteien sind unzufrieden.
In einer Mediation werden die Parteien zunächst nach ihren Positionen gefragt: Die sind bei diesem Beispiel klar, jede Partei braucht den Kürbis. Damit gibt sich der Mediator aber nicht zufrieden und fragt nach den hinter den Positionen der Parteien liegenden Interessen und Bedürfnissen, und er findet heraus, dass eine Partei einen Kindergarten betreibt und für eine Thanks-Giving-Day-Party den Kürbis ohne Frucht als Dekoration benötigt, während die andere Partei als Restaurant zu Thanks-Giving-Day eine Kürbiscremesuppe auf der Speisekarte hat und wofür sie das Fruchtfleisch des Kürbis benötigt, die äußere Schale würde weggeworfen werden.
Somit ist das Ergebnis der Mediation evident: Die Kindergarten-Partei erhält die Schale, die Restaurant-Partei das Fruchtfleisch. Eine Konfliktlösung, die nur erreicht werden kann, wenn nicht nur die Positionen der Parteien erörtert werden, sondern auch die wahren Interessen und Bedürfnisse.
|