Schuldunfähigkeitsprüfung bei besonders brutalem Tatbild

Neben ungehemmter Eigensucht und krasser Rücksichtslosigkeit in ein weiteres Leitprinzip für das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe die in der Tötung motivational zu Tage tretende Missachtung des personellen Eigenwerts des Opfers. Eine solchermaßen antisoziale Einstellung kann darin erblickt werden, dass der Täter das Opfer in menschenverachtender Weise tötet.

In die Kategorie der Missachtung des personellen Eigenwerts des Opfers fallen Sachverhalte, in denen der Täter das Opfer vor oder während der Tat in besonders herabsetzender Weise quält und damit eine gesellschaftlichen Grundwerten kategorial zuwider laufende Einstellung dergestalt manifestiert, dass der Adressat des Angriffs nicht einmal mehr ansatzweise als Person, sondern nur noch wie ein beliebiges Objekt, mit dem man nach hemmungslosen Gutdünken verfahren kann, behandelt wird. 

Eine außerordentlich brutale und menschenverachtende Begehungsweise ist bei der forensischen Begutachtung des Täters im Rahmen der Diagnose sowie bei der Erörterung der Voraussetzungen der §§ 20,21 StGB stets umfassend zu würdigen.

BGH, Urteil vom 22.10.2014, 5 StR 380/14

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