Privatsekretär

Der Spiegel berichtete in seiner Ausgabe vom 29.07.2012 unter der Überschrift „der enthüllte Enthüller„ über den Journalisten W, und seinen früheren Mitarbeiter F.. F. habe sich im Juli 2012 selbst beim Finanzamt und der Bundesagentur für Arbeit angezeigt. Es gehe um die Vorwürfe des Sozialbetrugs und womöglich auch der Steuerhinterziehung. F. habe gesagt, W. habe ihn über Jahre hinweg illegal beschäftigt, während F. weiter Arbeitslosengeld und später Hartz IV bekommen habe. Auch W. müsse nun mit Ermittlungen rechnen. Im August 2008 habe F. begonnen, Aufgaben als Privatsekretär in W. Haus in Köln zu übernehmen, habe E-Mails beantwortet, Lebensmittel gekauft, Hemden gebügelt und Anrufe entgegengenommen. Zunächst habe ihm W. 1000 € im Monat bar gezahlt, ohne dass der Job bei den Behörden gemeldet worden sei, so F.. F. selbst war zu dieser Zeit arbeitslos gemeldet und bekam zusätzlich rund 600 € von der Bundesagentur. Er will W. immer wieder gefragt haben, wann der Job endlich legalisiert werde, dieser habe jedoch abgeblockt. Ende Dezember 2008 sei F. dann in eine ihm von W. überlassene Wohnung gezogen.

Die Miete habe sei ihm vom Lohn abgezogen worden. Zur Rede stehen Arbeitsbedingungen, wie sie W. oft kritisiert hat, unter anderem in seiner Reportagen-Sammlung „Aus der schönen neuen Welt“ von 2009. Er prangert darin die prekären Verhältnisse an, unter denen Angestellte leiden. Bei einigen seiner über die Jahre wechselnden Mitarbeiter habe W. keinen guten Ruf. S., der Wallraff seine Identität für die „Ganz unten“ Recherchen lieh, klagte bereits Ende der achtziger Jahre über dessen Willkür in Geldsachen. Die Bezahlung seiner Helfer habe W. geregelt „wie jeder andere Chef, der billig davonkommen will“. Ein anderer Mitarbeiter klagte über verspätete Lohnzahlungen. Das Finanzamt Köln-Nord habe sich mit Verweis auf das Steuergeheimnis ebenso wenig äußern wollen wie die Arbeitsagentur. F. Anwalt Frank Langen sagt, sein Mandant habe „mit der Selbstanzeige die Reißleine gezogen, um sich aus diesem Arbeitsverhältnis zu lösen. In den Sendungen Westblick und Aktuelle Stunde berichtete der WDR am 30.07.2012 über den Betrugsvorwurf gegen W.. Dieser stehe als Arbeitgeber selbst in der Kritik, ein Ex-Mitarbeiter habe behauptet, dass W. ihn jahrelang schwarz beschäftigt habe. W. selbst habe enttäuscht reagiert und von falschen Anschuldigungen gesprochen.

Es stehe Aussage gegen Aussage. Der ehemalige Mitarbeiter behauptet, er habe W. gebeten, das Arbeitsverhältnis zu legalisieren, dies sei abgelehnt worden. In einer Stellungnahme erklärte W., dass er mit Bedauern zur Kenntnis genommen habe, dass sich F. mit falschen Anschuldigungen gegen ihn gewandt habe. Er mutmaßt, dass sein Ex-Mitarbeiter ihn in der Öffentlichkeit diskreditieren wolle.

F. Anwalt Frank Langen berichtet, W. habe seinen Mandanten als eine Art Privatsekretär beschäftigt, ohne dies dem Finanzamt oder der Arbeitsagentur anzuzeigen. Der Lohn sei bar und ohne Beleg ausgezahlt worden. W. habe gewusst, dass sein Mitarbeiter zu der Zeit auch Arbeitslosengeld und später Hartz IV bezogen habe. F. habe sich jetzt selbst angezeigt. Er habe damit seinem Unrechts-Arbeitsverhältnis ein Ende setzen wollen. F. selbst sei jetzt noch einen Schritt weiter gegangen und habe den Fall im „Spiegel“ öffentlich gemacht.

Die Staatsanwaltschaft Köln habe am 30.07.2012 mitgeteilt, dass bislang nicht gegen den Enthüllungsautor ermittelt werde. Sollten sich aber die Vorwürfe bestätigen, könnte er wegen Beihilfe zum Betrug belangt werden. Dem ehemaligen Mitarbeiter könnte ein Strafverfahren wegen Steuerbetrug und Sozialhilfebetrug drohen.

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